„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“

Wenn die Luft dünner wird, geht das Abenteuer erst richtig los. Julius Battenfeld reist seit Jahren zum Wandern und Bergsteigen rund um den Globus. Zuletzt war er in Tansania und Peru, nächste Wunschziele sind Nepal und Kirgistan. Die wichtigste Voraussetzung, um den Berg zu bezwingen: Höhentraining.

Herr Battenfeld, was fasziniert Sie am Bergsteigen?

Ich würde mich eher als Bergwanderer bezeichnen. Mit dem professionellen Bergsteigen habe ich durch meinen Wohnort in Hessen relativ wenig zu tun – hier fehlen mir einfach die Berge. Höhere Berge faszinieren mich dann, wenn sie bis zum Gipfel bewandert werden können.

Welche Wanderungen und Aufstiege haben Sie schon gemacht?

Bei den Wanderungen habe ich aufgehört zu zählen. Eins der schönsten Ziele war jedenfalls eine mehrtägige Wanderung in den albanischen Alpen mit Aufstiegen auf den “Maja Luces“, den “Maje e Cikes“ und den “Korab“ an der mazedonischen Grenze.

Vor Kurzem bin ich durch das Altiplano in Süd-Ost-Peru gewandert. Auch hier erreicht man Höhen von 3.500 bis 4.000 Metern und mehr. Der Besuch des Mount Macchu Piccu darf natürlich nicht fehlen.

Ihre letzte Reise ging nach Afrika auf den Kilimanjaro. Was zeichnet den Berg aus?

Der Berg zeichnet sich durch eine einzigartige Flora und Fauna aus sowie die unterschiedlichen, schönen Vegetationszonen. Das beginnt mit Regenwald, der sich über 1.200 Höhenmeter streckt. Die nächsten tausend Meter geht es mit Heidelandschaft weiter, dann mit Lavastein und Flechtengewächsen. Am Ende geht die Landschaft zu Fels, Schnee und Eis über. Genau diese Vielseitigkeit zeichnet den Kilimanjaro aus.

Wie haben Sie sich auf den Aufstieg vorbereitet?

Grundsätzlich würde ich mich als sportlichen Typen bezeichnen. Daher musste ich nicht bei Null anfangen und konnte auf mein vorhandenes Fitnesslevel aufbauen.

Beim Kraft- und Ausdauertraining habe ich Wert auf eine gut trainierte Körpermitte gelegt, also auf den Bauch, den unteren Rücken und die seitliche Bauchmuskulatur, um beim Aufstieg den Rücken zu unterstützen und Problemen vorzubeugen.

Außerdem habe ich längere Wanderungen und Gehstrecken, die nah am Szenario lagen, in das Programm integriert. Mein Ziel am Ende der Trainingsphase war, eine 15 bis 20 Kilometer lange Wanderung mit 6 bis 10 Kilo schwerem Gepäck und einigen Steigungen, ohne Probleme zu überstehen. Das bedeutete, ohne Blasen, ohne Muskelkater oder sonstige Beschwerden.

                              

Auf 5.895 Metern ist die Luft sehr dünn. Wie haben Sie die Bedingungen zu Hause simuliert?

Ich habe mich eng an einen Trainingsplan gehalten. 14 Tage vor der Abreise habe ich begonnen, mit dem Höhengenerator inklusive Atemmaske auf einem Hobby-Ergometer zu trainieren. Entweder im Joggen oder im Gehen, mit leichten Kraft-Ausdauer-Übungen wie Liegestütz, Burpees und Hampelmännern. Ich habe bei unter 3.000 Meter angefangen und mich dann gesteigert.

Nachts habe ich im Höhenzelt geschlafen, das ich in meinem Wohnzimmer aufgebaut hatte. Dadurch habe ich meinen Körper auch über längere Zeiträume der “Höhe“ ausgesetzt und das Nächtigen am Berg simuliert. Nach dem Motto “Train high, sleep low“ habe ich die Höhe im Zelt im Vergleich zu den Trainingseinheiten deutlich geringer eingestellt.

Welche Effekte erzielt Höhentraining auf den Körper?

Der Körper ist ein wahres Wunder, wenn es um Anpassung geht. Durch den niedrigeren Sauerstoffgehalt in der Luft, sei es durch den Generator oder direkt am Berg, werden verschiedene Anpassungsprozesse im Körper ausgelöst.

Einer dieser Prozesse ist die erhöhte Produktion roter Blutkörperchen, die für eine verbesserte Aufnahme des Sauerstoffs sorgt. Dadurch arbeitet der Körper in Höhen viel effizienter und kann so mehr Sauerstoff aufnehmen. Das führt wiederum dazu, dass die Symptome bei Sauerstoffmangel weniger ausgeprägt sind oder gar nicht erst erscheinen. Man fühlt sich um einiges leistungsfähiger.

Gab es trotz guter Vorbereitung einen kritischen Moment?

Den kritischsten Moment habe ich auf einer Höhe von etwa 5.200 Metern erlebt. Mein Guide und ich haben einen kurzen Stopp gemacht, um etwas zu essen und zu trinken. Nach dieser kurzen Pause war mein Körper total aus dem Takt geraten. Ich musste zehn Minuten um Atemrhythmus kämpfen und meinen Kopf sekündlich daran erinnern, nicht wieder stehen zu bleiben, um mehr Sauerstoff zu bekommen.

Welche Herausforderungen außer der Höhe hatten Sie noch?

Eine große Herausforderung neben der Höhe war das Dokumentieren mit der Videokamera. Auf der einen Seite muss man sich auf den Berg konzentrieren, auf der anderen Seite darf man das Filmkonzept nicht aus den Augen verlieren.

Welche Ausrüstungs-Tools hatten Sie beim Aufstieg dabei?

Meine Ausrüstung war sehr minimalistisch und zweckmäßig. Neben der üblichen Wanderausrüstung hatte ich einen Garmin GPS-Tracker dabei, mit dem Freunde, Familie und Follower mich über einen Link verfolgen konnten.

Welcher Moment auf dem Kilimanjaro hat am meisten für die Mühen während des Aufstiegs belohnt?

Das war der Moment, in dem ich das hölzerne Zielschild erreicht habe – kombiniert mit der schönen Aussicht inklusive Sonnenuntergang. Das war einfach traumhaft. Ebenso wie das Gefühl, im Hotel zu sitzen und bei Pizza und Bier auf den Berg zu starren und zu denken: „Da oben war ich“.

Im Nachhinein betrachtet: Benötigt es tatsächlich so viel Vorbereitung, um den Gipfel des Kilimanjaro zu erreichen?

Ich rate jedem, sich so gut wie möglich auf den Berg vorzubereiten. Du weißt schließlich nie, wie der Körper reagiert und sollst das Ganze auch genießen können. Im Barafu Camp auf 4.640 Metern habe ich genug Wanderer gesehen, denen es schlecht ging. Ich hatte hingegen absolut keine Probleme mit Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Ähnlichem.

Mehr über Julius Battenfeld und seine Abenteuer unter www.gearguidegermany.de/

Redaktion: Catrin Schreiner, Werbeagentur Atelier Steinbüchel & Partner